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WERKWÜRDIGUNGEN

2016  SAMSTAGSGESPRÄCH MIT SILVIA CAMENZIND
2016  PETER KILLER
2016  TRUDI VON FELLENBERG-BITZI
2011  PETER KILLER
2009  BARBARA BACHMANN
2002  WALTER HINTERMANN
2000  WALTER HINTERMANN
1996  DR. STEFAN PARADOWSKI
1992  MARKUS BAMERT



2016 SAMSTAGSGESPRÄCH

Silvia Camenzind, Bote der Urschweiz
Samstag, 10. September 2016

"AUCH  ‹GEKRIBEL› KANN SEHR SCHÖN SEIN"

Menschen in Bewegung stehen im Mittelpunkt von Alfons Bürglers Schaffen – agile Menschen, wie er selber mit seinen achtzig Jahren noch ist. Ab heute kann man in der neuen Galerie Meier in Goldau in sein Schaffen eintauchen.

ZUM ZEITUNGSARTIKEL

 

 

 

2016 PETER KILLER

Peter Killer
Leiter des Kunstmuseums Olten 1983–2001
Kunstkritiker AICA

Alfons Bürgler in der Galerie Meier – herzliche Gratulation!

In den hellen Räumen der neuen Galerie Meier in Goldau – vermutlich die grösste private Galerie der Schweiz! – zeigt Alfons Bürgler einen breit angelegten Überblick über sein Schaffen der letzten vierzig Jahre. Vor einem halben Jahr ist der so vielseitige wie vitale Künstler achtzig geworden. Gratulieren kann man ihm nachträglich zum runden Geburtstag, aber auch – und das ganz besonders nachdrücklich – zur ausgezeichnet gelungenen Retrospektive.

Werke aus vier Jahrzehnten, nämlich Zeichnungen, Aquarelle, Malereien und Baumfiguren – wie könnte es anders sein als dass da sehr unterschiedliche, gegensätzliche Arbeiten zusammen kommen? Dem Galeristen Helmut Meier ist es gelungen, das Disparate zu einer schönen, akzentreichen Harmonie zu fügen. Auf eine chronologische Anordnung hat er bewusst verzichtet.

Alfons Bürgler ist ein Bewegungsnaturell, eine ungewöhnlich intensive Lebensfreude verkörpernd. Er tanzt immer noch leidenschaftlich gern und ist viel unterwegs. Von seinen Reisen bringt er Zeichnungen und Aquarelle nachhause. Der Tanz ist bis heute auf seinen Tafelbildern das Hauptthema geblieben. Meist sind es Dutzende, manchmal Hunderte Paare, die er neben- und untereinander reiht, mit dem Pinsel gemalt oder mit dem Pinselende in die nasse Farbe gezeichnet. In Bewegung sind auch seine kleinen und grossen dreidimensionalen Astkobolde, mit denen sich Alfons Bürgler einen Namen als Bildhauer gemacht hat. Mit Bild-Hauen haben sie zwar nichts zu tun. Stechbeitel oder Schnitzmesser hat Alfons Bürgler nicht gebraucht, um diese Figuren zu schaffen. Aber herausgeschnitten hat er sie, mit Hilfe einer Säge, aus Bäumchen und Bäumen in Hecken und an Waldrändern, wo ohnehin abgeholzt oder ausgelichtet hätte werden müssen. Da die Natur andere Zwecke verfolgt, als Zweibeiner hervorzubringen, die Alfons Bürgler ausstellen kann, muss der Künstler im Gewirr der Äste seine Formen herausabstrahieren. Nur ein Künstlerauge ist imstande in der Vielzahl von Ästen und Ästchen Figuren zu entdecken. Viele der oft sehr fragilen Figuren liess Alfons Bürgler von hoch qualifizierten Bronzegiessern in eine für Jahrhunderte dauerhafte Form bringen. Sie sind so gut gegossen, dass sie sich kaum von hölzernen Originalen unterscheiden lassen.

Dass das Thema «Bewegung» den Künstler schon lange vor seinen «Tanzenden» und seinen Baumfiguren beschäftigt hat, lässt sich in der Ausstellung anschaulich verfolgen. In den neunziger Jahren entstanden ungegenständliche gezeichnete und gemalte Werke mit dichten Bewegungsspuren, die er in spontaner, aber langer Arbeit zu interessanten Strukturen verdichtete.

Alfons Bürgler hat vor vielen Jahren einige Gestaltungskurse und Kunstschulen besucht. Der gelernte Schneider ist aber letztlich Autodidakt. Eine professionelle Kunstausbildung birgt oft die Gefahr, dass Vorbilder den eigenen, persönlichen Weg verstellen. Alfons Bürgler hingegen ist unverwechselbar Alfons Bürgler. Davon kann man sich in dieser Werkschau überzeugen.

 

 

2016 TRUDI VON FELLENBERG-BITZI

Trudi von Fellenberg-Bitzi
Freitag, 8. Januar 2016

DER STEINER KÜNSTLER ALFONS BÜRGLER WIRD
80 JAHRE ALT

Er wohnt und arbeitet in Steinen, ist einer der erfolgreichsten Schwyzer Künstler und wird am Samstag achtzig: der gebürtige Illgauer Alfons Bürgler.

ZUM ZEITUNGSARTIKEL 

  

 

2011 PETER KILLER

Peter Killer, geboren 1945 in Zürich. Ausbildung als Primarlehrer. 1969-1973 Neben Manuel Gasser Co-Redaktor der Zeitschrift "du". 1974-1994 freischaffender Kunstkritiker am Zürcher Tages-Anzeiger und Ausstellungsmacher. 1983-2001 Leiter des Kunstmuseums Olten. Seither freischaffend, lebt in Olten. - Zahlreiche Buchveröffentlichungen zum Thema Kunst, Volkskunst, Architektur, aber auch zu verschiedenen Aspekten der Kulturgeschichte.

Alfons Bürger – die Liebe und das Spiel

 

Wer von Alfons Bürgler in seine Wohnung an der Herrengasse 11 in Steinen eingeladen wird, bekommt noch viel mehr zu sehen als in seinem Baumfigurenkabinett und in seinem Atelier. Mehr Kunstwerke, eigene und solche von Kolleginnen und Kollegen, Gefundenes, das er von seinen Wanderungen nach Hause gebracht hat und Orangen-, Zitronen-, Apfel-, Rüebli-, Gurken-, Pfirsich- und andere Schalen, die er kunstfertig geschnitten und getrocknet hat. (Diese Schalengebilde sind Thema einer wunderschönen Fotoserie geworden.) Seine Kunst und sein alltägliches Leben sind von einer tiefen Liebe zur Natur geprägt. Der kleine Garten, sein Balkongärtchen und das viele, was Wälder und Wiesen an Essbarem und Wohlschmeckendem ihm anbieten, machen Alfons Bürgler weitgehend zum Selbstversorger.

Ohalätz: Wer Alfons Bürgler nicht kennt, hat nach dem Lesen des ersten Abschnittes eine völlig falsche Vorstellung, denkt an einen sektiererischen Ökofreak, ein Kräutermannli – dabei ist Alfons auch ein leidenschaftlicher und ausgezeichneter Tangotänzer, hat die Welt bereist und ist gesellschaftlich gut vernetzt, strahlt Heiterkeit, Witz, ja Weisheit aus.

Der Psychoanalytiker, Sozialpsychologe und Philosoph Erich Fromm (1900–1980) unterscheidet zwei grundlegende menschliche Charakterstrukturen: den biophilen und den nekrophilen Charakter. «Die meisten Menschen sind individuell ausgeprägte Mischungen von nekrophilen und biophilen Orientierungen, und es kommt darauf an, welche der beiden Tendenzen dominiert.» Alfons Bürgler steht in ungewöhnlichem Mass auf der biophilen Seite.

Unter Biophilie versteht Erich Fromm «den Wunsch nach Wachstum, sei es einer Person, einer Pflanze, einer Idee oder einer sozialen Gruppe. Der biophile Mensch zieht es vor, aufzubauen, statt zu besitzen. Er ist fähig, sich zu wundern, und er sieht lieber etwas Neues, als eine Bestätigung des Alten zu finden. Er möchte durch Liebe, Vernunft und Beispiel formen und beeinflussen, nicht durch Gewalt. Weil er das Leben und alle seine Erscheinungsformen liebt, ist er kein leidenschaftlicher Konsument. Er hat sein eigenes Prinzip von Gut und Böse. Gut ist alles, was dem Leben dient. Gut ist Achtung vor dem Leben, alles, was Leben, Wachstum, Entwicklung fördert.»

Eine weitere Grundlage der Kreativität Alfons Bürglers ist sein Spieltrieb. Im Standardwerk zum Thema «Spiel», im «Homo ludens – vom Ursprung der Kultur im Spiel» des Holländers Johan Huizinga (1938) liest man: «Ob man an die heiligen oder magischen Tänze der Naturvölker denkt oder an die des griechischen Kults, an den Tanz König Davids vor der Bundeslade oder an den Tanz als Festbelustigung, man kann im vollsten Sinne des Wortes sagen, dass der Tanz selbst Spiel ist, ja, dass er eine der reinsten und vollkommensten Formen des Spiels bildet.» Der Tanz ist seit langem ein Hauptthema der Kunst Alfons Bürglers. Das gilt für die Baumfiguren – und auch für die die zweidimensionalen Werke: Die Figuren, die der Künstler auf immer neue Weise, sich keinem technischen Experiment verschliessend, malt und zeichnet, sind nie reglos. Sie gestikulieren, tanzen, springen – und bei allem Übermut kommen sie sich nicht in die Quere! In dieser Gemeinschaft, in der sie sich befinden, ist gut sein.

Nach Huizinga steht das Spiel «ausserhalb des Prozesses der unmittelbaren Befriedigung von Notwendigkeiten und Begierden, ja unterbricht diesen Prozess.» Das zweckfreie Spielen ist eine kulturelle Leistung. Also müsste Alfons Bürgler in seinen fiktiven Œuvre-Katalog eigentlich auch die vielen Sand- und Schneeburgen, die er gebaut hat, seine Schneehöhlen, -labyrinthe und -installationen aufnehmen sowie seinen Riesentatzelwurm aus Schnee. Das gleiche gilt für seine Algenkugelsammlung, das Nest aus Schilf mit Schneeballen als «Eier» und die zahlreichen Spontanplastiken aus Steinen, Ästen, Abfalleisen und anderen Materialien. Dass von den meisten dieser Arbeiten keine Fotos vorhanden sind, versteht sich aus der Definition des Spiels. «Das Spiel hat seinen Verlauf und seinen Sinn in sich selbst» (Huizinga). 

 

 

2009 BARBARA BACHMANN

Barbara Bachmann, Sozialarbeiterin

Text zu Kunst in der Psychiatrischen Klinik Zugersee

 

Schon entdeckt?

Kunstvoll gereiht an der Wand – unten im Eingangsbereich der Ebene 3 – empfängt uns sorgfältig aufgehängt, das 16-teilige Werk des Schwyzers Kunstmalers Alfons Bürgler. Er hat ihm den Titel gegeben: Be-Weg-te Geschichten im Jahreslauf.

Inspiriert von seinen, für ihn charakteristischen Körperschriften, mit Ölfarben und Asche auf Holz gemalt, versuchte ich, mich seiner Bilderreihe poetisch anzunähern:

 „Es ist Winter,
wenn der Frühling uns erwartet –
der Sommer
Hoffnung verspricht,
der Herbst uns mit seinem
laubigen Kleid empfängt
und wieder ein Jahr
unseres Lebens
Geschichte geworden ist."

Alfons Bürgler löst bei mir mit seinen Körperschriften ein Zeitempfinden aus.
Seine Schriftzeichen enthalten keine Geheimnisse, wie die ägyptischen Hieroglyphen. Vielmehr vermittelt dieses Aneinanderreihen der Bildobjekte, d.h. der Körperschriften ein Gefühl von etwas Uraltem und gleich-Zeit-ig Heutigem.
So wie sich Alfons Bürglers Figuren begegnen, alleine da stehend, zu zweit, zu dritt - einhakend, sich umarmend oder ihres Weges gehend – Mann, Frau - Frauen und Männer unterwegs auf dem Weg ihrer Geschichte, so erzählen sie von Momenten im Leben, wie wir sie kennen.

Dieses Kunstwerk begleitet uns Mitarbeitende der Psychiatrischen Klinik Zugersee in den Arbeitsalltag hinein – oder wieder hinaus. Unweit davon entfernt ist sinnigerweise die Stempeluhr an der Wand angebracht.
Nur war sie vorher da und zählt unsere Zeit: Tag für Tag, Woche für Woche… und Jahr um Jahr. Erzählen kann sie nicht – von all der Lebendigkeit und den vielen Momenten im Arbeitsleben - den Begegnungen mit den PatientInnen und KollegInnen, die sich zu unserer eigenen Arbeitsgeschichte verweben.  

Im Jahre 2009 hat Alfons Bürgler als Kunstprojektbegleiter mit den PatientInnen im Rahmen eines Kunstprojektes kleine und grosse Bilderwelten gestaltet. Sie sind anschliessend in der Reihe an seine Werke zu sehen. Alfons Bürgler hat ganz bewusst seine Bilder neben diejenigen der PatientInnen aufgehängt haben wollen. Wie typisch für ihn, der in Begegnung mit dem Einzelnen durch seine Wahrnehmungskraft, Güte und Solidarität berührt.

Ich freue mich sehr, dass wir das sinnige, 16-teilige Werk dieses begabten und grossen Innerschwyzer Künstlers in der Klinik haben – uns an diesen be-Weg-ten Geschichten im Jahreslauf erfreuen können.

Barbara Bachmann

 

 

2002 WALTER HINTERMANN

Walter Hintermann, geboren 1942 in Zürich, war Kunstpädagoge und Lehrer für Bildnerisches Gestalten am Kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerseminar in Rickenbach/SZ.

Zu den Bildern "Körperschriften" aus den Jahren 2001 und 2002

Alfons Bürgler's Werke in Öl, Acryl und Tusche leben vorwiegend von Zeichen und Figuren in Bewegung und erinnern an hieroglyphische Schriften. Der Künstler nennt diese Art von Malerei "Körperschriften" und schafft mit dieser speziellen Kunst eine neuartige Bildsprache.

Die Farbe

Alfons Bürglers neueste Bilder leben primär von den monochromen Bildflächen, deren Ausstrahlung den ganzen Raum erfüllen.
Sie lösen in mir ein vorerst unbestimmtes Gefühl aus, das nach intensiver Wahrnehmung einer ganz bestimmten Stimmung weichen kann: Ein zurückhaltendes, helles, leicht gebrochenes Blau strahlt Klarheit, Festigkeit und "glückliches Beginnen" aus, eine grosse, sanft gelbe Fläche füllt den Raum mit frühlingshafter, aktiver Aufbruchstimmung. Andere Flächen wirken als Herausforderung. Ein intensives Blau ruft nach entschiedener Stellungnahme, ein fastnächtliches Gelbgrün verlangt eher nach einer emotionsgeladenen Erinnerung oder nach einem Betrachter, der starke Gefühle aushalten kann. Die Faszination solcher Bildflächen entsteht durch die Art, wie der Künstler seine Bilder aufbaut. Es sind meistens mehrere Farbschichten, die mehr oder weniger transparent übereinander gemalt wurden. Eine untenliegende Farbschicht beeinflusst die darüber liegende. Alfons Bürgler lässt oft ein grundiertes Bild lange Zeit in seinem Atelier stehen, prüft die Wirkung einer Farbe und übermalt es dann mehrere Male, je nach Empfindung. Dabei experimentiert er auch mit den verschiedensten Farbmaterialien und Gestaltungsmöglichkeiten und erzielt so die unterschiedlichsten Bildwirkungen.

Farbe und Form

Die Bildflächen sind wie von einer Art Schrift oder Bilderschrift überzogen. Diese "craquelures" werden oft in die noch feuchte, oberste Bilderschrift eingeritzt. Dadurch werden darunter liegende Farben ebenfalls sichtbar und tragen so zur dezenten Farbwirkung des ganzen Bildes bei.
Die enge Verbindung von Farbe und Form, von Bildfläche und eingeritzten oder aufgemalten Zeichen, macht einen wesentlichen Teil der intensiven Ausstrahlung der Bilder aus. Dieser gestalterische Effekt wird dadurch erreicht, dass der Künstler die Zwischenräume intuitiv und oft auch bewusst als Gestaltungselemente mit einbezieht. Er strebt eine harmonische Spannung und Ausgeglichenheit zwischen Figur und Grund an.

Stelen und Hyeroglyphen

Die Zeichen wirken manchmal als Schrift, manchmal eher als Bilder-Erzählung. Immer aber ist ihre Wirkung mit dem Eindruck von Trance, von "écriture automatique" verbunden: Zusammen mit dem farbigen Grund trifft mich eine überraschende Botschaft. Wie bruchstückhafte Mitteilungen aus einer alten Kultur mutet es mich an. - Sind es an historischer Stätte ausgegrabene Kritzeleien von Kindern, die eine Zeichen- oder Bilderschrift geübt haben? Begegnen wir da uralten, durch den Einfluss von Sand und Hitze verwitterten Rodeln aus einer frühgeschichtlichen Hochkultur am Euphrat? Erinnern die kleinformatigen, länglichen Holztäfelchen mit ihren Schriften nicht an vollgekritzelte Wachstäfelchen aus der Römerzeit?
Auch die übermannshohen, schmalen Stelen wirken in ihrer frontalen Ausrichtung wie Botschafter aus einer längst versunkenen Kultur. Wenn darauf flächig dargestellte, tanzende Gestalten erkennbar sind, erinnern sie mich an bemalte Wände in etruskischen Gräbern, andere wieder erinnern an aegyptische Hieroglyphenschriften, die vom glücklichen, prallen Leben im Diesseits und im Jenseits künden.

Dynamik und Meditation

Die Zeichen auf den Stelen und Bildern sind einander ähnlich, doch ist keines gleich wie ein anderes. Sie symbolisieren oft Menschen in Bewegung, und es geht eine starke Dynamik von ihnen aus. Manchmal verwandelt sich eine Zeile von tanzenden oder bewegten Figuren unversehens in abstrakte und verschlüsselte Symbole, die dann plötzlich wieder als Buchstaben, Zahlen, landschaftliche oder architektonische Elemente in Erscheinung treten. Dabei will Alfons Bürgler nicht eine bestimmte Botschaft an die Betrachterinnen und Betrachter richten.
Er bringt sich, nachdem die farbige Grundstimmung eines Bildes einmal festgelegt ist, in einen Zustand absoluter Lockerheit und Konzentration.
In diesem diffizilen Gleichgewicht und in einer Offenheit dem gegenüber, was in seinem Innern und bei jedem Pinsel- oder Kritzelstrich auf der Bildfläche vorgeht, lässt er ein Bild geschehen. Er tanzt beim Malen nicht nur bildhaft gesprochen vor der Leinwand, sondern er überträgt ganz real, in feinen rhythmischen und tänzerischen Bewegungen die wahrgenommenen Impulse auf die Bildfläche.
Ein altes Element aus Bürglers Schaffen gewinnt unversehens wieder an Bedeutung: das Element der Wiederholung oder des Automatismus, die Verbindung von Materiellem mit dem Geistigen.

 

 

2000 WALTER HINTERMANN

Auszug aus der Monographie, S. 138, 139, 140, von Walter Hintermann

Die Aufhebung von Zeit und Raum

Momente der Zeitlosigkeit. Wir sitzen am Meeresufer, die Füsse im Wasser und schauen in die Wellen. Wir tun nichts. Es genügt uns, zu spüren, zu riechen, zu sehen, zu hören und uns dem gleichmässigen Rhythmus hinzugeben. Gedankenverloren betrachten wir die Strudel, die sich beim Wegströmen des Wassers an unseren Fersen bilden, geniessen jedesmal das feine Kräuseln auf den Zehen, wenn das Wasser zurückfliesst, lassen uns einlullen vom gleichmässigen, an- und abschwellenden Geräusch des Wassers, bemerken nicht, dass es im Kopf an irgendetwas herumdenkt oder phantasiert, verlieren die Zeit und das Bewusstsein des gegenwärtigen Raumes. War es nicht füher in der Eisenbahn das gleichmässige Ratetah, Ratetah der Räder auf den Schienen, welches immer lauter und dominanter wurde und uns einschläferte oder fast in Trance brachte, in eben den Zustand des Verlusts von Zeit und Raum und bewussten Denkens? Es gibt noch viele Beispiele: Vielleicht erinnern wir uns an die Litaneien an Maiabenden in der Dorfkirche, an den Atem- und Laufrhythmus beim Joggen, an das berauschende Gefühl, das beim Tanzen aufkommen kann, wenn wir uns dem immer gleichen Rhythmus hingeben, an die entrückende Kraft von Trommelrhythmen, an das Wiegen und den Singsang von Müttern, die ihre Säuglinge beruhigen.

Fast alle Religionen aller Zeiten und aller Kulturen enthalten mehr oder weniger viele Formen von rhythmischer Betätigung. Dabei scheinen diese alle einen Sinn und ein Ziel zu haben, nämlich die Erlangung eines Trancezustandes, der es den Menschen ermöglichen soll, mit dem Überrationalen oder dem Transzendenten in Verbindung zu treten. Viele Meditationstechniken bauen auf dem Prinzip regelmässiger Rhythmen auf oder enthalten Elemente davon. Diese Elemente sind immer die gleichen: Ein Gestus gehört dazu, eine Bewegung, die sich beispielsweise als Atem, als Tanzschritt, als Ton, Klang, Wort, Handlung oder Zeichen zeigt, und die Elemente Repetition und Gleichmässigkeit. Die Darstellung von Transzendenz in Form der Aufhebung von Zeit und Raum ist ein grosses Thema in der bildenden Kunst. In historischer Sicht zeigt es sich beispielsweise in Ornamenten auf Steinen, Steinkreuzen oder auch in Teilen von Buchillustrationen. Ornamentale Gestaltungen islamischer Heiligtümer zählen ebenso dazu wie repetitive Elemente an gotischen Kathedralen.

Vincent Van Gogh unterwirft sich mit seinem ausgeprägten Pinselduktus ebenso dem Diktat der Repetition wie Adolf Wölfli, der ihm zwingender und ausschliesslicher ausgeliefert ist. Ausserdem wird diese Thematik in sehr vielen Werken der zeitgenössischen Kunst sicht- und spürbar.

Bei Alfons Bürgler sind die oben genannten Element in den abstrakten Bildern leicht zu erkennen. Diese enthalten oft regelmässige Ordnungen von Zeichen, die jedoch noch als Bildstrukur und einzelne Zeichen gelesen werden können (Abb. 122, 125, 126, 127). Die Zeichnungen auf Seite 142 zeigen deutlich, wie das repetitive Element manchmal überhand nimmt. Es liegt am Zeichenstift, mit dem der Künstler ohne abzusetzen weiter und weiter kritzeln kann. Die Entdeckung dieses Vorgangs führt zu weiteren Versuchen, die stundenlang fortgesetzt und so weit getrieben werden, bis nicht mehr eine undurchdringliche Oberflächenstruktur sichtbar ist, sondern ein Bild mit Tiefe und Transparenz (Abb. Seite 146 - 153). Eine andere Art der Weiterentwicklung ergibt sich aus den Strukturen, die automatisch aus der Akkumulation der immer gleichen Bewegung entstehen. Es bildet sich ein Muster, das wiederum dazu animiert, Formen herauszulösen und diese in ein spannungsvolles Gefüge umzuwandeln (Abb. Seite 154 - 157).

Die Meditation, in die der Künstler sich während des Bildermachens versenkt hat, bewirkt, dass die Bildfläche eine starke, geistige Präsenz ausstrahlt: Die Verwandlung von Zeit und Raum in ein Bild ist gelungen.

 

 

1996 DR. STEFAN PARADOWSKI

von Dr. Stefan Paradowski, Kunsthistoriker, Lachen - anlässlich einer Ausstellung in der Galerie Meier, Arth, 1996

Die nochmalige Erfindung der abstrakten Malerei

Er überlistete die meisten. Er schlug einen Haken und liess jene ins Leere fallen, die ihn ins Reservat der Aquarelle verbannen wollten. Er machte sich künstlerisch aus dem Staub und ist im Land der Acryl-Malerei angekommen. Er befindet sich jetzt dort, wo man ihn kaum vermutet, aber ganz bei sich und abermals bereit, zu einem neuen künstlerischen Sprung anzusetzen.

Vom Abbild zur Abstraktion

Mit dem Wechsel der Technik geht jener des Trägers einher: die neuen Werke sind nicht auf Papier, sondern hauptsächlich auf Lein- oder Segeltuch gemalt. Doch damit ist die augenfälligste und wesentlichste Veränderung noch nicht benannt: Jene vom Abbild zum Eigenbild, von der Gegenständlichkeit zur Ungegenständlichkeit. Nicht mehr ein Ausschnitt aus der realen Welt ist Vorlage, sondern der ungebundene Reigen der Farben und Formen geniesst jetzt Vorrang.

Gesetzmässigkeit des Abenteuers

Alfons Bürgler wandelte in den letzten vier Jahren auf dem Pfad der Abstraktion. Ein Querschnitt dieser Schaffensphase ist ausgestellt. Die Absage an die Herstellung identifizierbarer Bildinhalte machte ihn weder ratlos noch krisenanfällig. Im Gegenteil. Die künstlerische Suche nach Neuland löste einen kreativen Schub aus. Die Anwendung der Eigenmittel der Malerei zeitigte eine ungeheure Produktivität. Die Versuchung liegt nahe, die Kontaktnahme mit der Abstraktion einem wilden Abenteuer gleichzustellen. Hinter der scheinbar unbändigen Vielfalt der neuen Acryl-Werke steckt jedoch eine gewisse Folgerichtigkeit, ja Gesetzmässigkeit.

Zeichen im Strichknäuel

Es begann mit vielen Federstrichen. Alfons Bürgler vertraute sich einem Experiment an, ohne dessen Ausgang zu kennen. Er spricht vom "meditativen Zeichnen". Die Surrealisten hätten von der "écriture automatique" geredet. Er brachte eine Vielzahl von Blättern mit Kritzeleien, mit Strichknäueln hervor. Aus Überschneidungen und Überlagerungen der Linien liessen sich zufällig entstandene Formgebilde herauslesen. Irgendwann hob Alfons Bürgler die abstrakten Gestalten aus dem vorhandenen Formenverband hervor. Die herausdestillierten Zeichen verteilte er intuitiv auf die ganze Fläche. Eine neue Bildwirklichkeit, eine neue malerische Möglichkeit auf der Basis von Grund und Figur war geboren.

Variationen des Vokabulars

Durch diesen Prozess erarbeitete sich Alfons Bürgler eine Art Methode für alle weiteren künstlerischen Erkundungen. Vor allem galt es, die neu gewonnenen Erkenntnisse vom Medium der Zeichnung in das der Malerei zu übersetzen. Der Faktor Farbe trat hinzu und vergrösserte das Ausdrucksspektrum. Nun konnte das Vokabular in beliebiger Variation zur Anwendung gebracht werden.

Farbmaterie und Kalligrafie

Vereinfacht gesagt unterliegt Alfons Bürglers Bildherstellung einer zweifachen Verfahrensweise, die freilich nicht zielgerichtet verläuft, sondern sich dem Risiko des Unvorhersehbaren unterwirft. Er beginnt eine Fläche zu bemalen, fasst sie als ein Feld auf, das es stets neu zu beackern gilt. Jedes Mal bewirkt die Farbmaterie eine andere Konstellation aus flächigen Elementen wie Flecken, Leerstellen, Übermalungen usw. In zusätzlichen Schritten, diesmal in dunklen oder schwarzen Strichformen, setzt er kalligrafische Akzente, scheidet Farbflächen oder betont deren Ränder, bringt Punkte oder Schraffuren an, erzeugt geschlossene oder offene Figurationen. Die Striche paraphrasieren, umspielen also die Farben.

Sprachmittel und Stimmungslage

Die Farbmaterie und besonders die linear ausgeführten Eingriffe prägen den Bildcharakter. Jedes Werk bringt ein eigenes Sprachmittel, eine eigene Stimmungslage zur Anschauung. Mal entstehen spontan labyrinthartige, mal fast systematisch hingesetzte Kompositionen, mal sind eher eckige oder runde, mal hauptsächlich locker oder dicht angeordnete Formen dominant. Jedenfalls sind die Bilder Frucht eines Diktats der Entdeckungen, die sich während des Malaktes einstellen.

Nicht Aneignung, sondern Erfindung

Piet Mondrian, ein Pionier der modernen Malerei, nabelte sich von seinem akademischen Naturalismus ab, indem er in einem dramatisch konsequenten Prozess eine unvergleichlich strenge Bildordnung anpeilte. Sein Zeitgenosse Wassily Kandinsky erwähnt die "verzweifelten Linien" und den "inneren Klang", die für die moderne Malerei wesentlich sind. Alfons Bürgler spricht von einer "inneren Schrift", die ihn in ein neues Kunstreich führte. Damit vollzog er auf seine Weise die Wende zur Ungegenständlichkeit nach. Er eignete sich die abstrakte Malerei nicht einfach an, er durchlebte, erfand sie persönlich noch einmal.

Treue durch Veränderung

Dass sich Alfons Bürgler nicht einengen lässt, hätte man wissen sollen, erklärte er doch einmal: " Es liegt mir fern, mich festzulegen auf eine Technik oder auf ein Thema." In diesem Sinne blieb er sich auch hinsichtlich der jetzigen Ausstellung treu. Es sind ja nicht nur Bilder von der Art zu sehen, die oben erwähnt sind. Seit 1984 ist er freischaffend und einer der ganz wenigen im Kanton Schwyz, die die Kunst zu ihrem Beruf gemacht haben. Es liegt ihm nicht, eine einmal gefundene künstlerische Position wie ein Markenzeichen beizubehalten. Zeugnis seiner Wandelbarkeit legen auch die im letzten Sommer entstandenen Materialbilder ab: Im handgeschöpften Papier eingeschlossen sind Halme, Zweige, Lauchteile und andere Dinge. Auch dazu wäre viel zu sagen...

 

 

1992 MARKUS BAMERT

Markus Bamert, Kunsthistoriker, Schwyz

Einführung zu einer Ausstellung von Alfons Bürgler
in der Galerie Oberhuus Greppen
30. August 1992

Sehr geehrte Damen und Herren
Lieber Alfons

Es freut mich ganz besonders, dass ich die Einführung zur Ausstellung in der Galerie im Oberhuus von Alfons Bürgler halten darf.

Seit gut 10 Jahren verfolge ich sein Schaffen und seinen Werdegang. Dieser Werdegang ist für einen stillen Beobachter recht interessant, aber im Prinzip auch gut nachvollziehbar.

Alfons Bürgler hat recht früh den Schritt zum freischaffenden Künstler gewagt. Nach einer Schneiderlehre und anschliessender kaufmännischer Ausbildung arbeitete er einige Jahre 50% in einem Architekturbüro als Buchhalter. Die übrige Zeit reservierte er für sich zum Malen und Gestalten.

Während Jahren befasste er sich fast ausschliesslich mit den Ausdrucksmöglichkeiten des Aquarells. In diesen Jahren entstanden unzählige feine Arbeiten. Modell standen ihm dabei unsere einheimische Landschaft, aber auch Blumen, Menschen und Tiere. Bei diesen Aquarellen, die stark dem Realismus verpflichtet sind, hat Alfons Bürgler sein Auge geschult. Wenn ich von Realismus spreche, meine ich aber nicht genau abgemalte Wirklichkeit, sondern eine stark umgesetzte. Der Maler sieht, etwas vereinfacht gesagt - in der Wirklichkeit das, was er sehen will. Dies greift er auf und bringt es zu Papier. Dabei kann das einerseits Form, anderseits auch Farbe sein. Erst so kann eine Landschaft stimmungsmässig erfasst werden. Einen wesentlichen Schritt bei diesem Sehenlernen hat Alfons Bürgler in Marokko erfahren. In der marrokanischen Landschaft hat er das Licht kennen gelernt und in seine Bilder aufgenommen. Die Beschäftigung mit der Landschaft hat aber auch zu Tiefschlägen, zum Treten am eigenen Ort geführt. In vielen Werken, die vor 4 - 5 Jahren entstanden sind, spürt man das Suchen nach neuen Wegen, nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten.

Kontinuierlich hat sich Alfons den Weg erarbeitet. Grosser Fleiss war dazu nötig. Allzu gross war die Gefahr, auf dem alten Weg weiter zu arbeiten, zumal er damit einen recht grossen Erfolg verbuchen konnte. Die andere Gefahr bestand im sich sprunghaft von einem beschrittenen Weg wegzubegeben, dem Experimentellen zu verfallen. Die heutige Kunstszene läuft Gefahr, das noch nie da gewesene in den Himmel zu heben, ungefragt, ob Qualität oder ernsthaftes Schaffen dahinter steht. Die Eintagsfliege ist gefragt und wird diskutiert. Dieser Versuchung ist Alfons Bürgler nicht erlegen. Vielmehr hat er einen Weg aus seiner Kontinuität heraus gesucht, sukzessive und sich selber gegenüber ehrlich.

Als ein Kernereignis in seiner langjährigen Entwicklung darf sicher ein Flug über die Landschaft von Mexiko angesehen werden. Plötzlich bot sich ihm die Landschaft in ihrer geometrischen Ausbreitung dar, Felder, Flüsse, Wälder, Steppen, die sich aneinander reihen.

Dieses Erlebnis hat ihm eine neue Perspektive der Landschaft eröffnet, die er in einigen Bildern verarbeitet hat. Die Farbe gewinnt an Dominanz, die Form wird einfach und tritt zurück.

Von diesen Werken an, die auch an der Kunstszene Schwyz vor einem Jahr ausgestellt waren, führt der Weg kontinuierlich zu den Werken, die hier ausgestellt sind. Parallel dazu sind aber immer wieder Aquarelle entstanden, die an seine Tradition anschliessen. Dabei darf aber nicht von Parallelwegen gesprochen werden, wenn man zuerst verfolgt, wie die künstlerische Entwicklung verläuft. Alfons Bürgler betrachtet seine Aquarelle insbesondere auch als Studien für die Pinselführung.

Das Aquarell verlangt ein präzises, schnelles Arbeiten und höchste Konzentration. Eine Überarbeitung ist nicht möglich, da ein einmal gesetzter Pinselstrich nicht korrigiert werden kann, wenn das Bild seine Frische, seine Leuchtkraft behalten will.

Nun aber zu den abstrahierten und abstrakten Arbeiten, die hier ausgestellt sind.

Alle diese Bilder sind wie gesagt ein Ergebnis der intensiven Suche nach Weiterentwicklung. In grossformatigen Federzeichnungen sucht Alfons Bürgler neue Formen und Ausdrucksmöglichkeiten. Zudem strebt er mit einfachsten Mitteln eine Verdichtung der Intensität von Blatt zu Blatt an. In der Folge greift er aus diesen Blättern Einzelformen heraus und setzt sie in Farbe um. Diese Blätter zeichnen sich durch grosse Regelmässigkeit der Bildfläche aus. Die Spannung ist auf das Blatt gleichmässig verteilt. Dadurch strahlen sie auch eine grosse Ruhe aus. Die Spannung hingegen ist in den Binnenformen zu suchen. Kleine in eine Unifläche eingestreute Figürchen unterschiedlichster Ausbildung sind aneinander gereiht, vielfach mit Kohle dunkel umrahmt. Diese Formen können positiv auf farbigem Grund ausgespart betrachtet werden. In der gleichen Zeit entstanden grossformatige Bilder auf Papier, die die gleiche Regelmässigkeit über die ganze Bildfläche zeigen, die aber in ihrem Gesamtausdruck wesentlich verfeinert sind. Es sind abstrakte, malerischen Flächen, von Formen kann man kaum mehr sprechen. Durch ihre Feinheit erhalten diese Blätter etwas Stoffhaltiges, Textiles, Tapetenartiges. Aus der Nähe betrachtet zeigt sich aber eine feinste Oberflächenbehandlung mit der Feder, die dem Aquarell Struktur gibt.

In jüngster Zeit hat Alfons Bürgler diese Technik weitergeführt. Es entstanden kleinere quadratische Bilder auf Leinwand, nicht aber auf grundierter Malleinwand, sondern auf gewöhnlichen gebrauchten Leintüchern, die er in Stücke gerissen hat. Diese Leinwandstücke hat er mit Farbe vorbereitet, bemalt, die Farbe wieder ausgewaschen; der zerfranste Rand bleibt erhalten. Auf diese präparierten Leinwände hat Alfons Bürgler seine Zeichen gesetzt. Dabei verwendet er ganz verschiedene Techniken, Aquarell, Gouache, Acryl aber auch Kohle. Er übernimmt die Richtungslosigkeit der vorher beschriebenen Bilder. Sie sind nicht auf einen Fix- oder Höhepunkt hin ausgearbeitet, sondern die Zeichen breiten sich regelmässig über das ganze Stück Leinwand aus, ja sie scheinen sich über den Rand hinaus fortzusetzen. Das Unfertige des Leinwandrandes verstärkt diesen Eindruck.

Dabei sind nun plötzlich wieder Anlehnungen an die Landschaft zu erkennen, nun aber ganz anders als in den Aquarellen, viel zeichenhafter, stimmungsvoller, symbolhafter. Aber auch kleine figürliche Elemente finden wir eingestreut.

Diese Bilder erhalten dadurch eine starke Kompaktheit und Geschlossenheit, die die Bilder grösser erscheinen lässt als sie tatsächlich sind. Zudem verbünden sie ihre Aussage, je nachdem, ob man sie aus Distanz oder aus der Nähe betrachtet. Die unterschiedliche Farbintensität trägt zu diesem Ausdruck wesentlich bei. Der ruhige, ausgewaschene Hintergrund kontrastiert mit dem pastos aufgetragenen Vordergrund. Dadurch entsteht auch eine Bildtiefe, ohne aber die Perspektive einzusetzen.

Sie sehen, sehr geehrte Damen und Herren, dass das künstlerische Schaffen von Alfons Bürgler gerade in den letzten Jahren eine starke Entwicklung mitgemacht hat. Wie aber bereits gesagt, ist diese Entwicklung nicht sprunghaft, sondern kontinuierlich. Die Bilder von Alfons Bürgler werden dadurch sicher nicht leichter verständlich, aber ausdruckstärker. Sie bieten dem Betrachter Gelegenheit, sich länger mit einem Werk zu befassen, das darin herauszulesen, was er sehen will, ohne die Werke dadurch zu überinterpretieren. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Betrachten der Bilder, und Dir, lieber Alfons, wünsche ich viel Glück und Beharrlichkeit auf Deinem Weg, vor allem wünsche ich dir, dass du dienen Weg weiter verfolgen kannst, kontinuierlich und nicht sprunghaft.

Markus Bamert, Kunsthistoriker Schwyz


 

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